Natural Hoofcare -

Hufpflege nach dem Vorbild des Mustanghufs im Raum Nordhessen und Ostwestfalen



Eselhufe

Die Besitzerin hat ihre beiden Tiere erst vor kurzem gekauft. Der Vorbesitzer hatte ihr mitgeteilt, bei Eseln genüge es, die Hufe etwa zweimal im Jahr bearbeiten zu lassen und dies auch so praktiziert. Ich kann mir nicht erklären, wie es zu dieser weit verbreiteten Meinung kommt, tatsächlich sind aber zahlreiche Eselbesitzer der Meinung, es mit der Hufpflege weniger genau nehmen zu müssen als bei Pferden.

Zum Glück ist die aktuelle Besitzerin sehr viel bemühter um die Gesundheit ihrer Langohren. Hier haben wir vorerst ein 7-8 Wochen Intervall bei der Bearbeitung ausprobiert - erste Erfolge sind sichtbar!

Eselstute mit deformiertem Vorderhuf
Linker Vorderhuf
seitlich
März, Mai,
September, Dezember 2012
Vl seitlich pre-trim März Vl seitlich post-trim Mai VL seitlich September VL seitlich Dezember

Stark verbogene Schnabelzehe am linken Vorderhuf. Der Huf wächst enorm steil nach, das Hufbein wird hier wohl nahezu senkrecht zum Boden stehen. Leider gibt es kein Bild nach der Erstbearbeitung, dafür aber eines nach der zweiten Bearbeitung im Mai. Die Zehenwand ist nun komplett gerade, der gesamte Huf aber noch extrem steil gewinkelt. Dieses Problem lässt sich hoffentlich mit der Zeit noch beheben.
Im September trat der seltene Fall ein, dass die Zehenwand im unteren Drittel fast hinter die Senkrechte kam! Lediglich der flacher nachwachsende obere Bereich deutete bereits an, dass der Huf sich insgesamt wieder einer normalen Winkelung annäherte. In der Regel trifft man eher das gegenteilige Phänomen: ein viel zu flacher Huf, der von oben langsam steiler nachkommt!
Im Dezember zeigt der Huf schließlich eine normale Form. Auch Esel müssen nicht zwingend bockhufig und mit viel zu hoher Trachte herumlaufen. Ihre Hufe unterscheiden sich zumindest in der Winkelung gar nicht massiv vom Pferdehuf.

Linker Vorderhuf
Sohle
März, Mai,
September, Dezember 2012
VL Sohle pre-trim VL Sohle post-trim Mai VL Sohle Septemberi VL Sohle Dezember

Leider nicht ganz vergleichbare Bilder, da aus unterschiedlichen Winkeln fotografiert; das Wesentliche sollte aber deutlich werden: im März ist die Sohle völlig platt und ohne jede Wölbung. Die Strahlfurchen liegen nur ganz knapp unter Sohlenniveau, das Hufbein muss also auch abgesunken sein - wenn es überhaupt noch intakt und nicht bereits an der Spitze aufgelöst ist. In diese Sohle eine Wölbung schneiden zu wollen, wäre fatal, da man den inneren Strukturen viel zu nah käme.
Bereits acht Wochen später, im Mai, hat die Eselin eine bemerkenswerte Sohlenwölbung entwickelt, die vermuten lässt, dass das Hufbein wieder in seiner korrekten Position aufgehängt ist, selbst wenn es noch sehr steil steht. An dieser Sohlenwölbung verändert sich in der Folge nur noch wenig: sie bleibt stabil erhalten.

Linker Vorderhuf
frontal
März, Mai,
September, Dezember 2012
VL frontal pre-trim VL frontal post-trim Mai VL frontal September VL frontal Dezember

Wohl der eindrucksvollste Beweis, dass eine Bearbeitung alle 6 Monate beim Esel NICHT zielführend ist: die innere Hufwand ist weggebrochen und wächst von oben so steil nach, dass der Huf immer enger zu werden droht. Die gesamte Fesselachse ist gebrochen, die Eselin steht völlig schief!
Auch hier fehlt leider das Bild nach der Erstbearbeitung, das zweite Bild ist wiederum nach der zweiten Bearbeitung im Mai aufgenommen. D ie Fesselachse ist beinahe völlig gerade geworden, der Huf wächst von oben in ganz neuem Winkel nach: nicht mehr steil nach innen unter den Huf, sondern so, wie es sein soll, leicht nach außen.
Im September scheint der Huf wieder verdreht und die Fesselachse erneut sehr suboptimal. Deutlich zu erkennen, dass der Huf von oben weniger eng nachwächst und wieder eine normale Form annehmen möchte. Die "Verstellung" haben wir als Übergangsphase zunnächst toleriert.
Im Dezember zeigt sich dann, dass der Huf wieder zum restlichen Bein passt.


Grundsätzliches zu Eselhufen

Pete Ramey hat bereits erkannt, dass Esel und ihre Gesunderhaltung in der Literatur ganz eindeutig viel zu kurz kommen. Er begründet diese bedauerliche Tatsache damit, dass Esel, anders als Pferde, viel seltener Schmerz zeigen. Aus Afrika stammend und daher in der Präsenz von Raubtieren beheimatet, lockt jedes Zeichen von Schwäche bloß den nächstbesten Löwen an. Also läuft der Esel, egal, wie sehr ihm die Füße weh tun.

Leider führt dies dazu, dass viele Eselbesitzer eben keinen Hufbearbeiter rufen, wenn die Hufe komisch ausschauen: das Tier lahmt ja nicht. Fakt ist aber, dass dem Esel seine deformierten Hufe ebensoviel Schmerzen bereiten wie einem Pferd.

- Zum einen kommen viele Esel mit dem Futterangebot in unseren Breiten schlecht klar: sie sind auf sehr karge Nahrung ausgelegt und sind mit dem Zuckergehalt im hiesigen Gras oft restlos überfordert. Auch Getreidefütterung bekommt ihnen schlecht, da jeder Zuckerüberschuss ihr Darmflora durcheinander wirft.

- Außerdem sind ihre Hufe an steinige, abriebsintensive Böden angepasst - und wo finden sich diese schon in unseren Stallsystemen? Die Hufwand des Esels ist oft doppelt so dick, wie die eines gleichgroßen Pferdes und reibt sich dementsprechend weniger ab. Eigentlich ein Grund, zu häufigeren Bearbeitungsterminen überzugehen, als beim Pferd...

- Esel scheinen zudem weit empfindlicher zu sein, was Strahlfäule- und Strahlpilzerkrankungen angeht. Und tut ihnen erst einmal der Trachtenbereich samt Strahl weh, entwickeln sie eine Zehenfußung, welche die Hufform weiterhin negativ beeinflusst: der Trachtenbereich wird enger, der Strahl eingezwängt und noch schmerzhafter. Wie oft hört man, Esel stünden grundsätzlich auf steileren Hufen, als Pferde. Laut Ramey ist dies ein Irrglaube, der darauf beruht, dass wir so viele pathologisch steile Hufe zu Gesicht bekommen, dass wir dies für den Normalfall halten. Bei wildlebenden Eseln fand er jedoch, wie auch beim Wildpferd, Esel mit niedrigen und weiten Trachten und einem gut entwickelten starken Strahl.

Wir tun also gut daran, auch Eselhufe regelmäßig alle 6-8 Wochen zu bearbeiten und nach Möglichkeit zu vermeiden, dass ihre Hufe zu lang werden und deformieren. Mir scheint, als würden Eselhufe auch deutlich schneller wachsen als Pferdehufe - dies erleichtert einerseits die Korrektur von Pathologien, sorgt aber andererseits auch dafür, dass bei der geringsten Vernachlässigung ganz schnell neue Probleme entstehen!


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