Natural Hoofcare -

Hufpflege nach dem Vorbild des Mustanghufs im Raum Nordhessen und Ostwestfalen



Warmblutstute mit High-Low-Syndrom an den Vorderhufen

High-Low-Syndrom

High-Low-Syndrom Das Foto links (März 2012 vor Bearbeitung) lässt es nur erahnen, aber der rechte Vorderhuf ist im Vergleich zum linken deutlich steiler mit sehr hoher Trachte ("high"), während diese am linken Vorderhuf ("low") untergeschoben ist, bei gleichzeitig längerer Zehe. Die Zehenwand verbiegt sich beim steileren Huf und schnabelt nach vorn weg, die äußere Wand weist deutliche Risse auf. Auf dem rechten Bild (Mai 2012 nach der dritten Bearbeitung) sieht man den Unterschied noch immer deutlich, auch wenn sich die Hufsituation insgesamt schon verbessert hat.
Die Ursache könnte bei diesem Pferd wenigstens teilweise darin liegen, dass die Stute auf einem Auge blind ist und beim Laufen oft den Kopf weit herumnimmt, um ihre Umgebung anschauen zu können. Dabei läuft sie aber nicht mehr mit dem Hinterhuf in der Spur des gleichseitigen Vorderhufes, sondern deutlich seitlich versetzt, sodass die Hufe sich unterschiedlich ablaufen und entwickeln.

Erstbearbeitung im März, dann im 6-Wochentakt bearbeitet
Rechter Vorderhuf
seitlich
VR seitlich pre-trim VR seitlich post-trim VR seitlich post-trim Mai Bild 1 Anfang März VOR der Erstbearbeitung
Bild 2 Anfang März NACH der Erstbearbeitung
Bild 3 Mitte Mai nach Bearbeitung.

Leider ist das Vorher-Bild gegen das Licht fotografiert. Dennoch erkennbar: die hohe Trachte. Der Kronsaum ist fast waagerecht, obwohl er beim gesunden Huf im Trachtenbereich abwärts laufen sollte. Die Zehenwand schnabelt nach vorne weg und ist leicht verbogen. Auf diesem Bild leider nicht erkennbar: die beiden Risse in der lateralen (=äußeren) Hufwand.
In der Erstbearbeitung wurden die Trachten soweit wie möglich gekürzt, jedoch mit dem Fokus darauf, den Trachtenbereich nicht empfindlich zu machen, damit die gesunde Trachtenfußung erhalten bleibt. Die Seitenwand wurde stark berundet und die von der Sohle vorgegebene leichten Senke wurde berücksichtigt. So sollten die Risse ohne weiter gezerrt zu werden, herunter wachsen können. Da sich in Rissen gern Bakterien und Pilze tummeln, soll die Besitzerin sie regelmäßig mit einem entsprechenden Mittel einsprühen.
Das Foto aus dem Mai zeigt bereits einen deutlich geraderen Verlauf der Zehenwand, die Verbiegung ist verschwunden. Die Trachten sind noch immer höher, als jene des linken Vorderhufes, der Kronrand verläuft aber im Trachtenbereich nach unten und nicht mehr waagrecht zum Boden. Auch die Risse wachsen langsam heraus.

Linker Vorderhuf
seitlich
VL seitlich pre-trim VL seitlich post-trim VL seitlich post-trim Mai Bild 1 Anfang März VOR der Erstbearbeitung
Bild 2 Anfang März NACH der Erstbearbeitung
Bild 3 Mitte Mai nach Bearbeitung.

Lange Zehe und langgewachsene, untergeschobene Trachten am linken Vorderhuf. In der Erstbearbeitung wurde der Huf insgesamt auf SOhlenniveau gekürzt, wodurch der Auffußungspunkt der Trachte weiter nach hinten versetzt wurde. Dadurch scheint sie nach Bearbeitung gleich weniger untergeschoben, die Zehe dafür umso länger. Diese wird nun gut abgerundet, um das Abrollen zu erleichtern - man hätte sie bei diesem durchaus noch weiter zurücksetzen können, allerdings versuche ich beim ersten Termin meist eine etwas zurückhaltendere Bearbeitung, um keine Fühligkeiten zu provozieren.
Im Mai hat sich die Trachte weiter aufgerichtet, der Abrollpunkt an der Zehe wurde nun deutlicher nach hinten versetzt.


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