Natural Hoofcare -

Hufpflege nach dem Vorbild des Mustanghufs im Raum Nordhessen und Ostwestfalen



Natural Hoofcare

fast mustang Schön gewölbter Hinterhuf eines Quarterhorses, der dem Mustanghuf schon recht nahe kommt!

Natural Hoofcare – was ist das eigentlich?

Die Methode entstand in den USA auf der Basis von Beobachtungen, die man an den Hufen wildlebender Mustangs gemacht hatte. Maßgeblich beteiligt an der Fortentwicklung waren die amerikanischen Schmiede Jamie Jackson und Pete Ramey, die sich nach erfolgreichen Barhuf-Tests an vormals beschlagenen Pferden von ihrer Tätigkeit als Beschlagsschmiede mehr und mehr zurückzogen.
Ramey berichtet in seinem Buch „Making Natural Hoofcare Work for You“ von einem Stall, dessen Pferde er ursprünglich für ausgedehnte Trekking-Touren beschlagen hatte. Deren Eisen waren grundsätzlich innerhalb von 5 Wochen papierdünn gelaufen. Dort startete er, nachdem er die Methodik an seinem eigenen Pferd erfolgreich probiert hatte, einen umfangreicheren Testlauf – und siehe da, achtzehn Pferde liefen die üblichen Touren von Anfang an problemlos barhuf; die übrigen zehn Tiere brauchten eine gewisse Übergangszeit, kamen dann aber ebenfalls gut mit dem steinigen Gelände klar. Und diese Pferde wurden gewiss mehr bewegt, als unsere Reitpferde!

Und was macht nun den „Barhuf nach Mustang-Art“ aus?

Zum einen eine gute Sohlenwölbung.

Die Hufsohle bei weichem Boden mit einer ausgeprägten Sohlenwölbung Je nach Untergrund, auf dem sich das Pferd hauptsächlich bewegt, kann diese Wölbung, wie beim Foto auf der rechten Seite, sehr tief sein. Dies ist meist dann der Fall, wenn das Pferd vorwiegend auf weichen Böden lebt, welche die Sohle ausfüllen. Hier handelt es sich um eine Islandstute, die im Sommer 24 Stunden auf der Weide steht. Bei Pferden, die überwiegend auf harten Böden leben, ist die Wölbung in der Regel weniger ausgeprägt, die Sohle hingegen umso dicker. Das Bild des Quarterhorse-Hufes ganz oben kommt einem solchen Huf recht nahe.
Keine der beiden Varianten ist besser oder schlechter als die andere, es sind lediglich unterschiedliche Anpassungsmechanismen am Werk. Wichtig ist vielmehr, dass die Wölbung sich gleichmäßig von der tiefsten Stelle des Hufs, nämlich vor der Strahlspitze, bis zur Weißen Linie nach außen zieht, ohne zwischenzeitlich auf platt gelaufene Stellen zu treffen.


Weiterhin eher niedrige und weite Trachten und ein stabiler Strahl.

Besipielbild niedriger Trachten am Pferdehuf Leider scheint sich in den Köpfen festgesetzt zu haben, dass hohe Trachten gesünder für's Pferd seien. Dieser Gedanke scheint die Reaktion auf das Bild der häufig anzutreffenden untergeschobenen Trachten beschlagener Pferde zu sein, die meist aus zu langen Beschlagsintervallen, zu kurz gelegten Eisen und fehlenden Barfuß-Pausen resultieren.
Tatsächlich sind weder untergeschobene Trachten, die den hinteren Bereich des Hufes einquetschen, noch hohe Trachten, die den Strahl zu weit vom Boden wegbringen und das Hufbein steil auf seine Spitze stellen, eine gesunde Lösung. Niedrige Trachten ermöglichen hingegen, dass auch der Strahl einen Teil des Gewichtes trägt, zumal er durch seine recht weiche Konsistenz ein guter Stoßdämpfer für die Energie des Aufhufens darstellt. Weiterhin ist er für ein optimales Funktionieren des Hufmechanismus mit verantwortlich: als Dehungsfuge des Hufes erlaubt er, dass dieser sich beim Auftreten weitet und beim Abhufen wieder zusammenzieht, sodass die Durchblutung des Hufes gewährleistet wird.

guter kräftig ausgeprägter Strahl an einem Tinker-Huf
All dies funktioniert jedoch nur dann, wenn der Strahl und die über ihm liegenden Strahlpolster kräftig genug sind, um ihre Aufgaben auch wahrzunehmen. Trifft man hingegen auf einen sehr schmalen Strahl, oder einen, der mit Strahlfäule oder – pilz kämpft, so kann man davon ausgehen, dass er bei direktem Bodenkontakt dem Pferd Schmerzen beim Laufen verursachen würde. In diese Fällen muss man oftmals zunächst einen Kompromiss bei etwas höheren Trachten, eventuell bei gleichzeitiger Verwendung von Polstern im Hufschuh, finden, bis sich der Strahl genügend erholt hat. Das linke Bild zeigt den Huf eines Tinkers mit schönem kräftigem Strahl.


Nicht immer da, aber auch Kennzeichen des Mustanghufes: die Senke.

seitlichen Hufwand berührt dem Boden nicht, sondern weist einen leichten Schwung nach oben auf Bei zahlreichen Pferden findet man in den Seitenwänden einen Bereich, der, wenn man die Wand so kürzt, wie es die Sohle vorgibt, auf ebenem Boden keinerlei Bodenkontakt mehr hat. Diese sogenannte Senke oder „Schwebe“ hat ebenfalls Einfluss auf den funktionierenden Hufmechanismus, flacht sie doch beim Aufhufen, ebenso wie die Sohle, leicht ab und federt somit die Aufprallenergie weiter ab. Der Huf des Schimmels auf der rechten Seite hat eine solche Senke. Findet man sie bei einem Pferd nicht, wird sie jedoch keinesfalls einfach "hingeraspelt". Möglicherweise bildet sie sich erst nach einiger Zeit heraus, manchmal auch gar nicht. Ähnlich wie bei der starken oder flachen Sohlenwölbung gibt es hier kein Besser oder Schlechter: der Huf passt sich an seine Umgebung an.
Weist der Huf eine Senke auf, ergibt sich beim Laufen die häufig zitierte Dreipunktfußung, bei der auf harten Böden nur die zwei Trachtenwinkel und der Zehenbereich tragen, bzw. die Vierpunktfußung, wenn das Pferd sich zusätzlich eine Zehenrichtung anläuft und neben den Trachtenwinkeln noch zwei Punkte links und rechts neben der stark rundgelaufenen Zehe das Pferd tragen.
All dies gilt natürlich nur für harte und ebene Böden wie Asphalt oder gepflasterte Strecken, auf denen sich das Pferd in der Regel nur temporär bewegt. Auf Wiesenwegen, im Sand oder auf anderen Böden, in die der Huf einsinken kann, tragen weiterhin alle Teile des Hufes das Gewicht des Pferdes mit.


F-Balance

Im Laufe der Zeit stieß ich immer wieder auf Kundenpferde mit massiv ungleich langen Trachten und einseitig hochgeschobenen Ballen. Allein mit der Bearbeitung nach NHC ließ sich dieser Zustand meist nicht zufriedenstellend verbessern: die Pferde liefen zwar weitgehend stabil, die Ballen blieben jedoch verschoben. Da ich mit diesem Zustand unzufrieden war, machte ich mich auf die Suche nach neuen Lösungsansätzen und stieß dabei auf Daniel Anz und seine Bearbeitung nach F-Balance. Kurzerhand meldete ich mich im April 2014 zum Zertifizierungs-Lehrgang bei Reiner Martz in Trittau an und stellte fest, dass dies wohl das "fehlende Steinchen im Mosaik" war.

Wie Natural Hoofcare, so orientiert sich auch F-Balance an der funktionalen Sohle und strebt einen gestreckten Wandverlauf an. Beide Methoden beachten die vom Huf vorgegebenen natürlichen Parameter und deren Grenzen - der Huf wird also nicht ein eine künstliche "optimal-Form" gezwungen, sondern genau so bearbeitet, wie er es aktuell vorgibt. Der hauptsächliche Unterschied liegt im Bereich der Trachten-Bearbeitung, für welche die F-Balance viel detailliertere Anhaltspunkte bietet.

Meine erste Sorge, F-Balance funktioniere nur mit dem anschließenden Aufbringen eines permanenten Hufschutzes - vorzugsweise Eisen - wurde im Lehrgang direkt zerstreut: es kommt auf die korrekte und präzise Barhufbearbeitung an. Beschlag ist optional möglich, aber nicht erforderlich.

Aktuell gehe ich die ersten Schritte in diesem mir noch neuen und hochinteressanten Gebiet. Sowie erste Erfahrungswerte vorliegen, wird diese Seite, sowie die Fallbeispiele noch ergänzt.


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