Natural Hoofcare -

Hufpflege nach dem Vorbild des Mustanghufs im Raum Nordhessen und Ostwestfalen



Islandstute mit Hufrehe

20 jährige Islandstute, die im April 2013 zunehmend unwilliger lief und Anfang Mai trotz vorsichtigen Anweidens mit Maulkorb einen Reheschub bekam. Auffällig am Blutbild war insbesondere der extrem erhöhte Insulin-Wert, der, mit dem Glucosewert ins Verhältnis gesetzt, auf eine hochgradige Insulinresistenz hinwies. Der hinzugezogene Tierarzt behandelte mit einer von ihm entwickelten Infusionskur über drei Tage; bereits nach der zweiten Infusion war der Insulinwert wieder im Normbereich.

Das Pony, in den vergangenen 11 Jahren während des Sommers stets mit Maulkorb auf der Weide gelaufen, bekam nun einen weitgehend graslosen Paddock innerhalb der Weide abgesteckt, sodass es (zwar durch einen Zaun getrennt) in seiner gewohnten Herde und Umgebung verbleiben konnte. Die Fütterung beschränkte sich auf Heu aus engmaschigen (3cm) Netzen in einer Menge, die ca 2% des Körpergewichtes ausmachte. Diese Art der Fütterung ist das Tier seit Jahren während der Wintermonate gewöhnt und hatte nie auffällig reagiert. Bei sehr empfindlichen Pferden, die kaum aus einem schweren Hufreheschub herauskommen, kann es erforderlich sein, das Heu vor dem Füttern ca. 1 Stunde auszuwaschen und nass zu verfüttern. So kann man einen Teil des im Heu enthaltenen Zuckers eliminieren.

Der Insulinresistenz wurde mit der zusätzlichen Gabe von Chromhefe begegnet. Zusätzlich wurde das Pony, sowie es lahmfrei laufen konnte, möglichst täglich bewegt. Dies geschah zunächst ausschließlich im Schritt auf weichen Wegen und stets mit Hufschutz; mit zunehmendem Gehkomfort wurde streckenweise an der Hand getrabt und das Pony ab etwa Mitte/Ende August wieder leicht geritten. Hierbei fand ein Aufbau von 2x5 min. Reitzeit/Tag in der ersten Woche, 2x 10 min Reitzeit in der zweiten Woche usw statt. Diese kurzen Reiteinheiten wurden in ein- bis zweistündige Spaziergänge eingebaut.

Röntgenbilder gibt es keine, allerdings lässt die sehr flache Sohle vermuten, dass das Hufbein deutlich nach unten abgesunken ist. Die Zehenwand wächst oberhalb der sichtbaren "Reherille" in der Hufwand nur geringgradig steiler nach, sodass höchstwahrscheinlich nur eine sehr leichte Hufbeinrotation statt fand.

Rechter
Vorderhuf

Sohlenwölbung

Juni /
Sept. /
Dez. 2013

Vorne Rechts Sohle vorne Rechts Sohle 2 vorne Rechts Sohle 3 Betrachtet man die Lage der Strahlspitze als Referenzpunkt, kann man schön verfolgen wie sich die Sohlenwölbung von Bild zu Bild verbessert: Weist sie im Juni noch keine nennenswerte Tiefe auf (die Sohle ist fast völlig flach), so liegt die Strahlspitze im Dezember schon wieder deutlich tiefer in der nun schön gewölbten Sohle.
Rechter
Vorderhuf

Sohlenwölbung

Juni /
Sept. /
Dez. 2013

Vorne Rechts Sohle 4 Vorne Rechts Sohle 5 Vorne Rechts Sohle 6 Hier noch einmal die Sohlenwölbung aus einer weiteren Perspektive.
Rechter Vorderhuf

Seitenansicht

Juni /
Sept. /
Dez. 2013

Vorne Rechts seitlich 1 vorne Rechts seitlich 2 vorne Rechts seitlich 3 Und hier die Seitenansicht: Da das Pony auch mit Hufschuhen nicht zufrieden lief, wurde hier kurzzeitig ein Klebebeschlag mit einem speziellen, das Hufbein unterstützenden, Silikon-Knetpolster angebracht. Gut zu beobachten, wie die Reherille in der Hufwand mit der Zeit nach unten durchwächst. Sie entsteht, wenn im akuten Hufreheschub aufgrund der entzündeten Lederhäute vorübergehend die Hornproduktion nicht wie im gesunden Huf statt findet.

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