Natural Hoofcare -

Hufpflege nach dem Vorbild des Mustanghufs im Raum Nordhessen und Ostwestfalen



Pony mit Hufrehe

Ein über 20-jährige Pony, das seit Jahren an immer wieder neuen Hufrehe-Schüben leidet. Bei seinen neuen Besitzern wurde es auf Cushing untersucht und nach positivem Ergebnis endsprechend medikamentös behandelt. Im September 2011 begann die Umstellung von NBS-Beschlag auf Barhuf - einer der seltenen Fälle, in denen auch Röntgenbilder vorlagen, die Aufschluss über die Position des Hufbein gaben.
Leider musste das Pony 2012 doch eingeschläfert werden - somit konnte ich diesen Fall nicht weiter dokumentieren.

Erstbearbeitung Anfang September 2011
Linker Vorderhuf
Vorne links roentgen vorne links roentgenprojektion Das Röntgenbild war das Erste, was ich von diesem Pony zu sehen bekam - rechts der Versuch, das Röntgenbild und ein Bild vom Huf übereinanderzulegen, sodass ein Eindruck entsteht, wie stark hier die Rotation des Hufbeins ist und wie nah sich die Hufbeinspitze mit deutlicher Hutkrempe sich bereits am Boden befindet. Auch wenn diese Projektion nicht professionell ist, sollte klar sein, dass die Ausgangssituation durchaus ernst ist
Linker Vorderhuf
seitlich
Vorne links pre-trim Vorne links pre-trim Mit Beschlag entlastet die Stute die Trachte - bei Hufrehe eigentlich nicht die Regel, da eher die Zehe durch das steil rotierte Hufbein Schmerzen bereitet. Hier war das Eisen allerdings mit 5 Nägeln befestigt worden, von denen der letzte sehr weit hinten gesetzt wurde und ganz offensichtlich drückte. Nach Eisenabnahme und Kürzen der extrem hohen Trachten belastete das Pony nun die Trachte voll und schonte stattdessen die Zehe.
Linker Vorderhuf
frontal
Vorne links frontal pre-trim vorne links frontal post-trim Noch mit zurückgesetztem NBS-Eisen, dessen Zehenteil hier genau unter der Hufbeinspitze zum Liegen kam. Nach der Abnahme der Eisen bekam das Pony sofort einen gepolsterten Leih-Hufschuh (hier den Easyboot Classic, aufgerüstet mit einem Gaiter). Die Besitzerin kaufte im Anschluss gepolsterte Easyboot RX, die die kleine Stute nun 24h/Tag im Auslauf trug, sowie Equiboots, die sie - ebenfalls mit weichem Polster versehen - zum Spazierenlaufen trug. Bei dieser Hufsituation wäre es kaum möglich, ohne jeglichen Hufschutz auszukommen.
Linker Vorderhuf
Sohlenansicht
Vorne links Sohle pre-trim vorne links Sohle post-trim Hier ist gut zu erkennen, dass die Sohle vor dem Strahl keinerlei Wölbung mehr aufweist, sondern völlig platt ist. Das Hufbein ist so stark rotiert, dass seine Spitze kurz vor dem Strahl auf die Sohle drückt. Eine Wölbung ist somit gar nicht mehr möglich, da in diesem Fall die Hufbeinspitze unten aus der Sohle schauen müsste! Aus diesem Grund wäre es hier auch fatal, eine Wölbung in die Sohle schneiden zu wollen. Einzige Möglichkeit ist, durch gute Fütterung und Hufbearbeitung in anfangs sehr kurzen Intervallen dafür zu sorgen, dass das Hufbein wieder in seiner korrekten Position weit oben in der Hornkapsel einwächst. Mit der Zeit wird sich dann auch Sohlenwölbung bilden.

Stand im November 2011. Hufe wurden im 2-3 wöchigen Intervall bearbeitet.
Linker Vorderhuf
seitlich und frontal
Vorne links seitlich Vorne links frontal Langsam lässt sich die Trachte kürzen und die Zehe immer mehr zurücknehmen. Noch lange kein gesunder Huf, aber er wächst nach und das Pony ist mit seinen Schuhen recht flott geworden.
Von vorn wird die Zerrung der weißen Linie deutlich. Hier bewegt man sich auf einem schmalen Grat: Nimmt man die Zehe vermehrt zurück, können vermehrt Bakterien durch die Blättchenschicht eindringen und man riskiert Hufgeschwüre. Lässt man die Zehe lang, hebelt die Hufwand aber bei jedem Schritt nach vorne und die Weiße Linie hat keine Chance, geschlossen nachzuwachsen, das Hufbein kann sich folglich auch nicht in der korrekten Position neu aufhängen.
Wieder spielen Hufschuhe eine große Rolle, da sie den Huf weitgehend sauberhalten. Natürlich ist dabei viel Engagement seitens der Besitzer erforderlich, die für die nötige Hygiene sorgen und die Schuhe täglich überprüfen müssen. Hier läuft diesbezüglich aber alles vorbildlich!
Linker Vorderhuf
Sohlenansichten
Vorne links Sohle1 Vorne links Sohle2 Noch ist der Huf sehr oval in der Form und die Zehe lässt eigentlich keinerlei Bearbeitung zu, da immer noch viel zu wenig Sohlenwölbung vorhanden ist. Bei ganz genauem Hinschauen kann man jedoch erkennen, dass sich vor dem Strahl eine minimale Sohlenwölbung einzustellen versucht. Vom Horn im Bereich vor der Zehe will sich allerdings noch nichts entfernen lassen, lediglich im Trachtenbereich bildet sich immer wieder Zerfallshorn.

Stand im Januar 2012. Bearbeitungsintervall bei 3 Wochen.
Das Pony ist weiterhin gut zu Fuß - beim Januartermin lief es zwar noch in typischem Rehegang mit starker Trachtenfußung, jedoch völlig ohne die üblichen gepolsterten Hufschuhe die betonierte Stallgasse entlang - das hatte ich nach so kurzer Zeit noch nicht erwartet!
Linker Vorderhuf
Sohlentiefe
Vorne links September Vorne links Januar Die eindrucksvollste Entwicklung hat in den vergangenen 4 Monaten eindeutig die Sohle gemacht: links ein Bild vom zweiten Bearbeitungstermin am 17. September, rechts das Vergleichsbild vom 8. Januar - hier hat sich eine Sohlenwölbung von gut einem Zentimeter Tiefe gebildet, ohne dass zuvor die Sohle im Zehenbereich auch nur einmal bearbeitet worden wäre. Bei diesem Termin fand sich um den Strahl herum jede Menge Zerfallshorn, das sich ohne jeden Kraftaufwand mit der stumpfen seite des Hufmessers enfernen ließ. Zurück blieb diese schöne Sohlenwölbung, die ganz deutlich darauf hinweist, dass das Hufbein in der korrekten Position beginnt sich mit der Zehenwand stabil zu verbinden!
Linker Vorderhuf
seitlich und frontal
Vorne links seitlich Vorne links frontal Die Kehrseite der Medaille zeigt sich in den übrigens Bildern: die Trachte ist, obwohl auf der seitlichen Aufnahme bereits um einen guten Zentimeter gekürzt, wieder sehr hoch. Vermutlich hat sich das Hufbein zwar deutlich weiter oben in der Hornkapsel aufgehängt, was man auch daran erkennt, dass der Huf unterhalb des Kronrandes deutlich steiler nachwächst - allerdings steht das Hufbein weiterhin recht steil (die Rotation ist also noch nicht komplett behoben), sodass sich eine sehr hohe Trachte ausbildet. In Zukunft gilt es also, die Trachte möglichst weit herunterzunehmen und die noch immer schnabelnde Zehe zurückzusetzen. In den seltensten Fällen klappt beides beim gleichen Termin, meist kann man sich immer nur einer der beiden "Baustellen" widmen.
In der frontalen Aufnahme ist wieder die Problematik der freiliegenden Blättchenschicht deutlich. Zwischen den letzten beiden Terminen lahmte das Pony auch kurzzeitig stark auf diesem Huf - es ist also möglich, dass sich trotz aller Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen ein Hufgeschwür gebildet hatte. Dies dürfte sich bei einer der folgenden Bearbeitungen zeigen.

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