Natural Hoofcare -

Hufpflege nach dem Vorbild des Mustanghufs im Raum Nordhessen und Ostwestfalen



Wallach mit Strahlpilz

Dieser ältere Wallach hatte beim ersten Termin massive Probleme mit dem rechten Hinterhuf, den er nach Möglichkeit gar nicht belastete. Das Hinterbein war geschwollen, er lahmte diffus auf mehreren Beinen und bewegte sich extrem unwillig. Die Trachten waren an allen Hufen sehr hoch, keiner zeigte eine gute Wölbung, die Strähle waren stark von Pilz angegriffen. Im Laufe der weiteren Bearbeitung stellte sich heraus, dass er im rechten Hinterhuf mehrere Hufgeschwüre hatte, infolge derer er zudem eine doppelte Sohle gebildet hatte.
(Bilder von Mai / Juni / August)

hinten rechts seit
HR seit HR seit HR seit

Hier ganz deutlich: Der Wallach meidet nach Möglichkeit jedwede Belastung der Trachte. Zum einen aufgrund des Hufgeschwürs, zum anderenauch wegen des verpilzten Strahls. Nachdem im August auch das letzte Hufgeschwür im Trachtenwinkel erledigt war, stellte er sich erstmals völlig entspannt auf seine vier Füße.

hinten rechts Sohle
HR Sohle HR Sohle HR Sohle

Massiver Strahlpilz. Da dieser schmerzhaft ist, vermied der Wallach lange Zeit jede Belastung der Trachtenregion. Infolgedessen verkümmerte der ohnehin schon sehr schmale Strahl weiter, sodass er irgendwann völlig zwischen den hohen Trachten verschwand und keinerlei Bodenkontakt mehr hatte. Ein Teufelskreis.
Schön zu sehen, wie der Strahl durch die Behandlung mit entsprechendem Pflegemittel und die Verwendung einen Strahlkeils immer breiter wird.
Auf dem mittleren Bild (Juni 2012) sieht man auch das riesige Hufgeschwür im Zehenbereich.Überraschend ist, dass der Wallach dennoch lieber auf der vom Abszess unterhöhlten Zehe, als auf der Trachte steht. Im August fand sich dann auch im Eckstrebenbereich ein Hufgeschwür - in Kombination mit dem verpilzten Strahl muss ihm also der Trachtenbereich noch mehr weh getan haben, als die Zehe.

Ich möchte noch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die bei diesem Pferd sehr starke Bearbeitung der Sohle NICHT der üblichen Vorgehensweise bei der Bearbeitung nach Natural Hoofcare entspricht. Beim gesunden Huf erhält man möglichst viel stabile Sohle, um Fühligkeiten zu vermeiden. In Fällen wie diesen allerdings, wo sich bedingt durch Abszesse eine doppelte Sohle gebildet hat, ist im Einzelfall auch einmal eine radikalere Vorgehensweise angezeigt. Dies sollte aber eine Ausnahme bleiben.

hinten rechts Sohlenwölbung
HR Sohlenwoebung HR Sohlenwoebung

Durch konsequente Behandlung mit einem entsprechenden Pflegemittel und die Verwendung von Strahlkeilen aus stabilem Schaumstoff (Tipp: Flipflops aus dem Discounter haben eine super-Konsistenz dafür!), die dafür sorgten, dass der verkümmerte Strahl wenigstens ein bisschen Bodenkontakt bekam, ihn aber gleichzeitig gegen zu viel Druck abpolsterte, regenerierte der Strahl von Mai bis August so weit, dass er plötzlich über die Hufwand hinausstand und zumindest auf Wandniveau gekürzt werden musste, um ihn nicht direkt wieder zu überlasten. Gleichzeitig entwickelte sich der Huf von einem "Vollhuf" ohne jede Sohlenwölbung zu einem schön gewölbten Hinterhuf.


Kurze Gegenüberstellung Strahlpilz vs Strahlfäule


PILZ ist eher grau-schmierig, riecht käsig-hefig, gibt dem Strahl ein „lamelliges“ Aussehen – wie ein Champignon von unten, er scheint in mehreren Schichten zu liegen.
FÄULE hingegen schwarz, stinkt einfach gammlig und faul, verursacht eher „Lochfraß“, ohne aber diese Schichten herzustellen.
Beide befallen am Ehesten die mittlere Strahlfurche (teilweise kann man den Hufkratzer richtig drin versenken und das Pferd zuckt entsprechen weg!), PILZ zieht sich dann aber gern bis weit oben ins Fell des Ballens weiter, der ebenfalls schmierig grau und druckempfindlich wird.

Behandlung: in beiden Fällen tamponiert man die tiefe mittlere Strahlfurche am Besten mit Mullkompressen, die man in Desinfektionsmittel tränkt. Dies hat mehrere Vorteile: Der Strahl erhält Gegendruck, was das Hornwachstum anregt. Das Desinfektionsmittel kommt da an, wo es hin soll. und die Mullkompresse hält erstmal Mist, Urin und Dreck von außen fern.

Wichtig ist, dass man bei Strahlpilz ein Mittel verwendet, das auch gegen PILZ wirkt. Die Hausmittelchen wie Essig, Zahncreme, Blauspray, welche die Fäule noch in den Griff kriegen mögen, versagen bei Pilz regelmäßig. Essig (bzw alles, was ein saures Milieu schafft) steht darüber hinaus im Verdacht, dem Pilz eher einen optimalen Nährboden zu schaffen. Ihn bekommt man mit alkalischen Mitteln in den Griff. Kernseife kann bei leichten Fällen helfen. Borax-Bäder ebenfalls, allerdings ist es letzthin wohl schwierig geworden, welches zu erwerben. Ein Strahlpflegemittel der Fa. Absorbine wirkt gut gegen Pilz (Frog and Sole Care).

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